Woraus besteht ein Schuh?

Es gibt die unterschiedlichsten Arten, Schuhe herzustellen. Dabei unterscheiden sich die sogenannten Macharten vor allem darin, wie Schaft und Sohle miteinander verbunden, also montiert werden. Um zu verstehen, wie verschiedene Macharten funktionieren, ist es wichtig, die einzelnen Bestandteile eines Schuhs zu kennen.

Der obere Bereich des Schuhs wird Schaft genannt, der untere Boden . Der Schaft besteht aus dem Oberschaft (die Teile, die außen sichtbar sind) und dem Futterschaft (alle Schaftteile innerhalb des Schuhs). Für den Oberschaft werden aus Leder und/oder anderen Materialien (zum Beispiel Stoff, Gummi, Synthetiks) verschiedene  Schaftteile (z.B. Vorder- und Hinterkappe, Blatt, Quartiere und Zunge) ausgestanzt oder geschnitten und später in der Stepperei zusammengefügt. Der Futterschaft wird aus Leder oder anderen Werkstoffen beispielsweise aus Wollpelz gefertigt. Hier sind nicht so viele Kleinteile notwendig; der Futterschaft besteht in der Regel aus Blattfutter und Quartierfutter (Seitenteile). Das Futter soll die Haltbarkeit des Schuhs erhöhen und den Fuß schützen. Durch seine glatte, nahtarme Verarbeitung reibt und scheuert es nicht. Es nimmt darüber hinaus Fußfeuchtigkeit auf, kann aus komforttechnischen Gründen gepolstert sein, den Fuß warm halten, und es schützt im Idealfall auch vor Verfärbungen auf der Haut oder Strümpfen, wenn es selbst farbneutral ist. An den verschiedenen Bereichen des Schuhs können unterschiedliche Futterstoffe zum Einsatz kommen. Für festes Schuhwerk wird zwischen Oberschaft und Futterschaft eine Verstärkung aus festem Material eingelegt, die vor allem Spitze und Ferse des Schuhs in Form halten soll. Diese Verstärkung bezeichnet man als Zwischenfutter oder Teilzwischenfutter . Zwischen Futter- und Oberschaft kann noch eine Tex-Membrane eingearbeitet werden, die vor dem Eindringen von Feuchtigkeit schützt und zugleich Fußschweiß aus dem Schuh leitet.

Nach der Entwicklung eines Schuhmodells werden Form und Größe der einzelnen Schaftteile per Computer ermittelt und dann in der Zuschneiderei ausgeschnitten. Speziell beim Oberschaft ist besondere Sorgfalt geboten, da die Beschaffenheit des Leders von größter Bedeutung ist. Der wertvolle Rohstoff muss so sparsam wie möglich verarbeitet werden; darüber hinaus sollten eventuelle Fehler wie Narben und Kratzer ausgespart werden. Auch der Zug, also die Dehnbarkeit des Materials, spielt beim Zuschneiden eine wichtige Rolle. Teile des Futterschaftes werden in der Regel in mehreren Lagen ausgestanzt, da hier weniger auf die Beschaffenheit des Materials Rücksicht genommen werden muss. Vor der weiteren Verarbeitung werden alle Teile von Ober- und Futterschaft mit einer Nummer gestempelt, die über Größe und Modell informiert und so garantiert, dass alle Bestandteile, dei zu einem Modell gehören, auch zusammen verarbeitet werden.

In der Vorrichterei werden die Schaftteile auf die Stepperei vorbereitet, des heißt, Lochmuster werden perforiert, Ösen eingearbeitet, einzelne Teile gespalten (also in ihrer Dicke halbiert) und Kanten bei Bedarf geschärft, also am Rand ausgedünnt, oder auch versäubert (ausgeglichen). In der Stepperei werden die Oberleder- und Futterteile zum Schaft zusammengefügt.

Der Boden des Schuhs setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen: Eine Laufsohle aus Leder, Gummi oder Kunststoff trägt den Schuh und muss sehr biegsam und gleichzeitig stabil sein. Die Laufsohle kann ausgestanzt werden oder aber, als Formsohle, fertig angeliefert beziehungsweise an den Schaft angespritzt werden. Die Brandsohle beziehungsweise Deckbrandsohle befindet sich unmittelbar unter dem Fuß. Sie sollte daher aus besonders hochwertigen (sprich gesunden) Materialien gefertigt sein. Mit der Brandsohle wird der Schaft direkt verbunden. Sie stellt das "Rückgrat" des Schuhs dar und sorgt so für seine Stabilität. Dazu trägt auch das Gelenkstück bei, das an der Unterseite der Brandsohle angebracht ist. Es besteht aus Stahl, Hartpappe, Kunststoff oder Holz und verbindet Absatz und vordere Lauffläche miteinander. Zwischen Laufsohle und Brandsohle kann bei einigen Schuhmodellen eine sogenannte Zwischensohle eingebaut werden. Sie macht die Schuhsohle dicker und kräftiger. Zwischen Brandsohle und Zwischen- oder Laufsohle wird eine Ausballung eingebracht, die auftrittsdämpfend wirken soll. Sie besteht aus Kork- oder Gummischrot, Filz, Latex, Lefa (Lederfaserstoff) oder auch anderen Materialien. Insbesondere bei rahmengenähten, aber auch bei zwiegenähten oder einigen durchgenähten Schuhen gehört der Rahmen, ein langes Lederband, zu den Bestandteilen des Bodens.

Unterhalb der Laufsohle wird hinten der Absatz angebracht, der als Block oder aus mehreren Lederschichten gefertigt ist. Die Unterseite des Absatzes bildet der Oberfleck, der bei jedem Auftritt enormer Beanspruchung ausgesetzt ist und daher meist aus abriebfestem Gummi besteht.

 

zur vorherigen Seite